20. Rahja 1035 BF

Die schöne Sharizad Sefira saba-el-Sulef und der tapfere Rondrageweihte Darian Lövenhaupt haben sich auf eine lange gemeinsame Reise begeben. Darian hatte nach mehreren Jahren nun endlich eine Nachricht aus Punin erhalten, dass die Erforschung der Asche des schwarzmagischen Artefaktes, welches er damals in einem Dorf nahe Gareths vernichtete, wichtige neue Erkenntnisse hervorgebracht hatte.

Sefira, die ein wenig Gefallen an dem starken heldenhaften Geweihten gefunden hatte, wollte diesen begleiten. Sicherlich würde es in Punin anlässe geben, ihre Profession in vollen Zügen auszuleben.

Nun hatten die beiden den langen Weg fast geschafft und am Vortag Rast in der Stadt Ragath gemacht. Mit aufgefüllten Vorräten machten sie sich sodann auf den Weg weiter nach Punin. Die Praiosscheibe lachte ihnen entgegen, der Himmel war wolkenlos und es wehte auch kein merklicher Wind, perfekt für eine Reise im Freien. Die Langeweile beim Fußmarsch vertrieb Sefira durch Gesang und Flötenspiel, was überraschenderweise sogar zwei Rotkehlchen dazu brachte mit einzustimmen und der hübschen Tulamidin hinterher zu fliegen.

Am Nachmittag des 20. Rahja trafen sie auf zwei Reisende, welche bereits ein Nachlager aufschlugen. Es handelte sich um eine hochschwangere Frau und ihren Gatten, die erschöpft von der Reise sich frühzeitig zur Ruhe legen wollte. Darian und Sefira gesellten sich zu ihnen und erkundigten sich, warum die beiden, die auch nach Punin wollte, auf einen so weiten Weg machen wollten, bedachte man den Zustand der Frau. Darian kam auf die Idee eine Kutsche heranzuwinken, doch zu seinem Erstaunen war die Straße nach Punin menschenleer.

Der Mann, der sich als Varrus vorstellte, erklärte, dass seine Frau Aria Verwandte in Punin hatte und die beiden unbedingt dorthin müssten. Der Tsa-Tempel in Punin würde dafür sorgen, dass das ungeborene Kind sicher und heil zur Welt kommen würde. Scheinbar hatte es Komplikationen während der Schwangerschaft gegeben. Nach etwas nachgebohre fand Darian heraus, dass der Bauernhof von Varrus und Aria abgebrannt war. Etwas misstrauisch akzeptierte Darian die Geschichte der beiden, behielt sie jedoch im Auge.

Als alle einschließlich Sefira - die ermüdet war vom Versuch mit Rapieren zu tanzen - sich schlafen gelegt hatten, hielt der Rondrageweihte die ganze Nacht über Wache. Seinem Instinkt folgent durchsuchte er das Gepäck von Varrus und Aria. Er fand jedoch neben Kleidung nur eine beachtlich gefüllte Geldbörse. Merkwürdig war lediglich, dass keinerlei ausweisende Dokumente gefunden wurden.

21. Rahja 1035 BF

Am nächsten Morgen machte sich die Reisegruppe - gestärkt durch ein von Darian bereitetes Frühstück - weiter auf den Weg. Sefira stimmte erneut einen Gesang an und die Singvögel vom Vortag, sowie ein Zaunkönig, stimmten mit ein. Darian hingegen wurde langsam etwas unruhig, da die Straße wie schon am abend zuvor absolut verlassen. Von Varrus hatten die beiden Helden Gerüchte gehört, wonach ein Geisterritter Reisende überfallen würde, weswegen das schwangere Paar sehr glücklich über die kräftige Gesellschaft war.

Da Aria schon früh keine Kraft mehr hatte die Geschwindigkeit zu halten, kamen die Helden nur langsam voran. Sie errichteten am späten Nachmittag bei einer kleinen Gruppe Bäume ein Nachtlager. Die Sonne hatte bereits den Horizont erreicht, als das Lager fertig errichtet war. Sodann entschied sich Sefira für ein Bad im nahen Fluß, während Darian die Umgebung beobachtete.

Doch als die schöne Sharizad sich entkleidete um ins Wasser zu steigen, fiel ihr auf der nebelbehangenen Wiese, etwa in dreihundert Schritt Entfernung, eine Gestalt auf, die regungslos in Sefiras Richtung starrte. Beängstigt zog sich sich wieder an und planschte nur ein wenig mit den Füßen im Wasser und wusch sich ihre Arme. Nachdem sie wieder aufblickte, war die Gestalt verschwunden.

Beunruhigt begab sie sich wieder zu der Gruppe zurück. Sie lenkte sich ab und tanzte erneut beim Feuer mit ihren Rapieren, und Darian schaute ihr fasziniert zu. Da Darian nicht schon wieder die ganze Nacht Wache schieben konnte, bot Sefira an, die erste Hälfte der Nacht zu wachen. Beide waren misstrauisch und sich sicher, dass irgendetwas nicht stimmen könnte.

 

Als die Gruppe schlief, hielt Sefira Wache und horchte Aufmerksam in die Nacht hinein. Als sie langsam müde wurde, entschloss sie sich ein wenig zu tanzen um ihre Müdigkeit zu vertreiben. Als sie wild umhertanzte, vernahm sie plötzlich Hufgeräusche aus nächster Nähe. Panisch rannte sie zu Darian und weckte ihn, um ihn auf die Geräusche aufmerksam zu machen. In den Schein des Feuers lief ein Esel, der neben einer äußerst merkwürdigen Gestalt ging.

Die Gestalt war von Kopf bis Fuß in Bandagen gewickelt, bis auf einige wenige mit Runen verzierte Lederstücke an den Unterarmen, Füßen und Schultern. Selbst das Gesicht war vollständig umwickelt, sodass keinerlei Gesichtsmerkmale - auch keine Augen oder ein Mund - zu erkennen waren. Als Darian seine Waffe zog, hob die Gesalt ihre Hände defensiv und sprach zu dem Rondraianer. Er kannte sowohl den Namen von Darian als auch den Sefiras, und teilte ihnen mit, dass der Esel, der sich in dem Moment an das Lagerfeuer legte und einschließ, der Gruppe helfen sollte, die hochschwangere Aria nach Punin zu bringen. Daraufhin ging die Gestalt wieder und löste sich nach wenigen Metern in Luft auf.

Verwirrt und umso alamierter führte Sefira die Nachtwache weiter, während Darian sich schlafen legte. In der Ferne hörte man noch das Heulen eines einsamen Wolfes.

 

22. Rahja 1035 BF

Sefira wurde in der Nacht von einem bösen Traum geplagt. Sie tanzte über eine wundervolle Blumenwiese, bis plötzlich eine Gestalt in einer schwarzen Rüstung vor ihr stand. Der Helm der Gestalt sah aus wie der Kopf eines Dämons, und er grinste...

Am nächsten morgen brachen die Helden, zusammen mit dem fleißigen Esel, weiter in Richtung Punin auf. Es ging nun viel schneller voran, da Aria auf dem Esel ritt und die Gruppe nicht mehr verlangsamt wurde. Darian bemerkte beunruhigt, dass Sefira's Gesang erneut die Singvögel animierte, mitzusingen. Es waren etwa schon zwei Dutzend von ihnen, die hinter Sefira hinterherflogen. Einer Idee folgend hieb Darian mit seiner Waffe durch die Luft und erschlug einen der Rotkehlchen. Die anderen Vögel erschreckten sich, flogen jedoch nicht davon sondern setzten sich auf Sefiras Schultern um Schutz zu suchen.

Kurz darauf kam den Helden auf der Straße jemand - oder besser gesagt "etwas" - entgegen. Eine grob humanoide Gestalt, wie schwarzer Rauch oder ein Schatten, bewegte sich in Richtung der Helden. Alamiert erwarteten Sefira und Darian, dass dieses Wesen sie angreifen würde. Doch stattdessen ging es durch sie hindurch und verschwand.

Am späten Nachmittag erreichten sie die Ortschaft Quirod, den letzten Halt auf dem Weg nach Punin. Doch zu ihrer Verwunderung war die Stadt verlassen. In einem Gasthaus fanden sie dampfende warme Mahlzeiten vor, was ihre knurrenden Bäuche sehr begrüßten. Der Tavernenwirt begrüßte die Reisegruppe - es war die vermummte Gestalt, die ihnen den Esel gebracht hatte, jedoch nun über den Bandagen eine Schürze trug und gerade einen Bierkrug putzte.

Die vermummte Gestalt bot den Helden etwas zu trinken an, jedoch war Darian äußerst misstrauisch. Während die anderen sich an den Speisen genüßlich taten, forderte Darian mutig die unbekannte vermummte Gestalt zu einem Zweikampf heraus. Sollte Darian gewinnen, müsste die Gestalt ihren Namen verraten. Die Gestalt willigte ein und die beiden begaben sich auf die Straße für ein Duell.

Die vermummte Gestalt erschuf aus der Luft eine Pelios, die der Waffe von Darian gleichte wie ein Ei dem anderen. Beim darauf folgenden Duell konnte der Rondrageweihte jedoch durch seine Kampferfahrung und die Nähe zu Rondra seinem Gegner einen schweren Treffer nach dem anderen zufügen, bis er im schließlich den Hals durchtrennte.

Doch anstatt zu sterben, schwebte der Kopf des Wesens, dass sich nun als Qiu vorstellte, über seinem Körper, während die Bandagen lose herunterhingen. Darian, zufrieden mit dem Ausgang des Duells, nahm sich nun dem Mahl im Gasthaus an. Anschließend begaben sich Varrus und Aria auf eines der Zimmer, welches eigens für die Gruppe vorbereitet wurde. Sefira und Darian, nach einem Schwerttanz im Schankraum, teilten sich ein Zimmer - um in dieser befremdlichen Atmosphäre, bar jedes Anzeichens von Leben, nicht alleine zu sein.

23. Rahja 1035 BF

Darian und Sefira träumten davon gemeinsam über eine Blumenwiese zu tanzen. Doch mitten im Traum wuchsen dem jeweils anderem lange Krallen, ein dichtes Fell und das Gesicht nahm die Form eines Wolfskopfes an. Darauf endete der Traum...

Nachdem die Helden sich - unter ständigem Erscheinen von Qiu - gewaschen und abreisebereit gemacht hatten, begaben sie sich auf die letzte Etappe der Reise. Die Singvögel folgten wieder Sefira, und Qiu, das vermumte Wesen gewaltiger Macht, war erneut verschwunden.