11. Ingerimm 1032 BF

Auf dem Weg nach Gareth reist Darian Lövenhaupt durch ein kleines abgeschiedenes Dorf. Da es bereits dämmerte und ein dunkler großer Wald vor im lag, beschloss er nach einem Schlafplatz Ausschau zu halten. Das Dorf besaß eine Herberge, jedoch war diese nicht offen. Erst nachdem Darian anklopfte, öffnete ein müde aussehender Wirt die Herberge.

Dieser war hocherfreut über die Nachricht, dass ein Reisender in seiner Herberge übernachten wolle. Er erzählte dem Rondrageweihten, dass seit einiger Zeit keine Besucher mehr ins Dorf kamen, da es im umliegenden Wald spuken würde. Der Wirt hätte schon mehrmals unheimliche Lichter im Wald entdeckt und Vieh würde regelmäßig verschwinden.

Darian versprach dem Wirt, dass er sich der Sache annehmen würde. In der Nacht wurde Darian von Lärm im Dorf geweckt. Er konnte aus dem Zimmer in der Herberge nichts erkennen, da alle Lichter erloschen waren in der Ortschaft. Scheinbar bemühte sich auch niemand, den Geräuschen nachzugehen.

Von der Kuhwiese am Ende des Dorfes erklangen panische Rufe der Kühe. Darian nahm den Schlüssel zur Herberge an sich und verließ das Gebäude. Auf dem Weg zur Kuhweide hörte er, wie die Rufe leiser wurden. Mit einer Fackel entdeckte er vier Kühe, die ängstlich in eine Ecke gedrängt waren. In der Mitte des Geheges fand sich außerdem das halbe Bein einer fünften Kuh. Der Zaun war an einer Stelle nahezu zertrümmert. Der Geweihte entdeckte außerdem eine unbekannte aber sehr große Fußspur in der Nähe des Zaunes. Dies war nicht das Wirken eines Geistes!

Am nächsten Morgen erkundigte sich Darian nach dem Wildnishüter des Dorfes. Wie er erfuhr, war dieser an Altersschwäche vor zwei Jahren verstorben und das Dorf versuchte seitdem einen neuen zu bekommen.

Daraufhin machte Darian Lövenhaupt sich mit einem Holzfäller aus dem Dorf, der seinen Weg gekreuzt hatte, auf den Weg in den Wald. Sie fanden ab und zu weitere Spuren wie bei der Kuhwiese, jedoch keinen genauen Hinweis auf das Wesen, dass das Dorf terrorisierte. Zudem war der Holzfäller zwar kräftig, aber auch sehr ängstlich.

Schließlich besuchten sie die Hütte des alten Wildnishüters, die verfallen war. Da auch hier keine Hinweise gefunden wurden, machte Darian sich auf den Weg zum Dorfältesten. Er hatte den Verdacht, dass der verstorbene Wildnishüter etwas mit der Sache zu tun haben könnte. Der Dorfälteste erzählte Darian, dass der alte Wildnishüter Hagar - wie es sein letzter Wunsch war - tief im Walde beerdigt wurde.

Darian machte sich wieder auf den Weg in den Wald, um dieses Grab zu suchen. Dabei hielt er Ausschau nach dem Holzfäller, den er an seiner Seite haben wollte. Nach einigen Stunden hatte er jedoch den Holzfäller noch nicht gefunden. Zudem dämmerte es bereits, als Darian plötzlich einen Lichtschein im tiefen Wald wahrnahm.

Dem Licht folgend stolperte er fast über die Axt des Holzfällers. Spuren deuteten darauf hin, dass dieser das Licht ebenfalls entdeckt hatte und die Flucht ergriff. Darian näherte sich weiter der Quelle des Lichts und staunte nicht schlecht, als er sie fand.

Ein Ork, gekleidet in Wolfsfelle, saß vor einem Lagerfeuer und grillte eine halbe Kuh. Die andere Hälfte lag auf dem Waldboden neben der Feuerstelle. Als der Ork Darian erblickte, packte ihn Angst und er verkroch sich hinter einen Baumstumpf.

Überrascht über die Ängstlichkeit des Orks senkte Darian seine Waffe und beruhigte den Ork. Dieser stellte sich als Bok vor, welcher aus seinem Klan verstoßen wurde weil er sich geweigert hatte Menschen zu töten. Bok lebte schon seit geraumer Zeit in diesem Wald und ernährte sich unter anderem von Kühen, die er tot auf dem Boden fand. Darian untersuchte den restlichen Kadaver der Kuh und fand Bissspuren, welche nicht vom Ork stammen konnten.

Bok der Ork zeigte sich äußerst kooperativ und wich Darian nicht mehr von der Seite. Von Bok erfuhr der Rondrageweihte, dass das Wesen, das die Kühe tötet, ein "großer böser Wolf" sei, der beim Grab des toten Wildnishüters aufgetaucht sei. Gemeinsam begaben sich die beiden zum Grabmal.

Dieses fanden sie auf einer kleinen Lichtung an einem großen Baum. Das Grab war an einer Stelle von aufgewühlter Erde bedeckt. Bok half dem Geweihten dabei, den Sarg freizuschaufeln, jedoch musste Darian feststellen, dass dieser leer war.

Am Grabstein fand er außerdem eine Halskette aus Wolfszähnen, welche mit merkwürdigen Runen versehen waren. Die Halskette verströmte eine dunkle Aura voller Gewalt und Hass, das Werk einer Hexe. Bok bereitete ein Feuer vor und Darian legte mit seinem geweihten Schwert die Halskette hinein. Nach kurzer Zeit fing die Kette Feuer und wurde zu Asche.

In diesem Moment ertönte ein Knurren hinter Darian und ein etwa zweieinhalb Schritt hoher humanoider Wolf trat auf die Lichtung. Erstaunlich schnell sprang er auf Darian zu und griff ihn an. Der herausragende Schwertkämpfer konnte mit Leichtigkeit das Monster verletzten und zu Boden werfen. Anstatt zu kämpfen blieb der Wolf jedoch liegen und spottete über den Geweihten und sein Gerede über die Götter.

Darian provozierte den Wolf, sodass dieser aufsprang und Darian anfiel, woraufhin er ihm einen tödlichen Stoß verpasste. Der Wolf barst in Flammen und zerfiel zu Asche. Darian versuchte einen Grabsegen über ihn zu sprechen und den Fluch, der auf dem Wildnishüter lastete zu brechen.

Kurz darauf kehrten Darian und Bok ins Dorf zurück und übernachteten trotz der Tatsache, dass Bok ein Ork ist, in der Herberge. Am nächsten morgen machte sich Darian wieder auf den Weg zum Dorfältesten, beziehungsweise dessen Frau. Hagar der Wildnishüter soll zu Lebzeiten ein Frauenheld gewesen sein. Vor allem Ingrid, eine junge Frau im Dorf, sollte Gründe gehabt haben ihn zu hassen.

Diese besucht Darian auch sofort. Die hübsche Frau begrüßte den Geweihten, versuchte aber die Fragen bezüglich dem Tod Hagars auszuweichen. Bok, der Darian durchs Dorf gefolgt ist, erkennt die Frau plötzlich und erzählt Darian, dass er sie beim Grab mit einer Halskette gesehen hat. Ingrid gesteht, dass sie bei einer fahrenden Händlerin die Halskette gekauft hatte. Die Halskette solle einem Opfer ein Schicksal schlimmer als den Tod bescheren.

Ihr Motiv war, dass Hagar eine Affäre mit ihr hatte. Sie wurde schwanger und er betrog sie mit einer jüngeren Frau. Daraufhin kaufte sie die Halskette und vergiftete sein Essen, sodass der Fluch seine Wirkung entfalten konnte. Um den Fluch zu brechen, sollte sie dies je wünschen, hatte die Händlerin - Darian vermutete hinter dieser eine bösartige Hexe - Ingrid einen Gegenstand zum Brechen des Fluches überreicht.

Ingrid gab einen Dolch aus Knochen, der mit ähnlichen Runen wie die Halskette verziert war, an Darian. Ein Stoß hiermit in das Herz des Wolfes würde den Fluch brechen. Der Rondrageweihte führte sie daraufhin zum Dorfältesten um sie als Verursacherin des Pein des Dorfes anzuklagen. Auf Darians Rat hin verbannte der Dorfälteste sie aus dem Dorf. Ingrid solle als Wildnishüterin außerhalb des Dorfes die Bewohner vor Raubtieren beschützen. Bok würde sie begleiten, um ihr das Leben im Wald beizubringen.

Doch seine Arbeit war noch nicht getan. Darian, begleitet vom Ork Bok, reiste erneut zum Grab Hagars und wartete auf die Nacht. Bei Sonnenuntergang erschien mit tosendem Sturm Hagar als Wolf über seinem Grab, diesmal mit voller Kraft. Darian kämpfte tapfer gegen das Ungeheuer und konnte es schließlich bezwingen. Dem Tode nah blieb des Wolf wieder am Boden liegen und Darian stieß den Knochendolch in sein Herz. Hagar schrie, verwandelte sich aber langsam in einen Menschen zurück.

Die Wolfsfratze blickte Darian noch einmal an und knurrte Worte der Dankbarkeit. Nur wenige Augenblicke später lag die Leiche des Wildnishüters Hagar auf dem Waldboden und zerfiel langsam zu Asche, die im Wind verweht wurde. Auch der Dolch zerfiel zu Asche, jedoch konnte Darian diese in seine Trinkflasche füllen, um sie später analysieren zu lassen.

Nachdem der Fluch gebrochen war, wurde Darian als Held wieder im Dorf begrüßt. Bok wurde zum Ehrenbürger ernannt und konnte nun unter den Menschen leben, wenn er es wünschte. Der Wirt erließ Darian jegliche Kosten aus Dankbarkeit, und das Dorf sammelte sogar einige Dukaten zusammen, um dem mutigen Rondrageweihten zu danken.

Glücklich, dem Dorf geholfen zu haben, machte Darian Lövenhaupt wieder auf seine Reise. Er würde jedoch nicht Vergessen, dass es eine Hexe gab, die für all das Leid verantwortlich war. Vielleicht konnte er sie irgendwann ausfindig machen und zur Strecke bringen...